Die “Generation Y” hat ihre Helden gefunden

techno

 

Man sagt ihnen nach, dass sie eine Generation ohne Eigenschaften seien, ohne Plan und ohne eigene Revolution. Keine Demonstrationen, kein tieferer Sinn und keine Ziele. Die Philosophen ihrer Zeit entspringen nicht verstaubten Büchern und ihre Helden feiern sich selbst und haben umso weniger zu sagen: David Guetta, Steve Aoki und Avicii bedienen die sogenannte EDM (=Electronic Dance Music) und bedienen sich unter anderem an der Musik der Generation X, der verheißungsvollen Refrains der greifbaren 1990er, die immer noch in den Ohren ihrer Hörer nachklingen. Der Hitfaktor, der ausgeborgt wird, um die Massen zu betäuben, steht im Vordergrund und das erfrischende Reproduzieren der Postmoderne ist obsolet geworden.

“Happy Shining Party People” – Schlagwörter, die allein oder in Kombination stehen, werden mit Synths, die Partytröten gleichen und militärisch anmutenden Marschbeats ergänzt, ein “Smells like Teen Spirit”-Riff untergemischt und fertig ist die Party.

Der Sound von EDM lädt dich nicht zum Mittanzen ein, sondern schreit dich an, dass du feiern sollst. (Gabs – DJ, Komponist und Sounddesigner)

Hochgepitchte Vocals und hoch erhobene Hände erleben einen zweiten Frühling, alles was tanzbar ist, ist erlaubt, während die Helden sich über der Masse erheben, Sekt in die Menge spritzen und mit Pyroshows und MC’s ihrer Generation einheizen. Die Begeisterung gleicht einem Konzert der Boybands aus den 1990ern, die der Retorte entsprangen wie sie selbst und werden ebenso angebetet und hochstilisiert.

Helden  füllen die Leere, und springen ein, wenn der eigene Mut und der eigene Sinn ein Relikt aus der Vergangenheit ist. Selbst wenn es nur darum geht, stellvertretend für die verlorene Masse Spaß zu haben.

Generation Maybe hat sich im Entweder – oder verrannt (Die Welt)
EDM – Der Anfang vom Ende? (Der Standard)

Heroische Weihnachten

Wir wünschen euch besinnliche Feiertage und einen fröhlichen Rutsch ins neue Jahr.

Für eine heroische Festtagsstimmung haben wir zwei klassische Stückchen hervorgeholt:
Die Gran Sonata Eróica von Mauro Giuliani interpretiert von Paola Requena.

Einige Jahrzehnte später komponierte Edward MacDowell seine Sonate Nr.2 “Eroica”. Sophie Wang spielt diese in unterschiedlichen Interpretationen:

Alles Liebe und Gute
Patricia, Janina und Ines

We might be hollow, but we’re brave

Umspielt von hypnotischen Melodien erzählt eine rauchig starke Stimme von Eindrücken und Gedanken einer jungen Frau, von “I am only as young as the minute is full of it” (Tennis Court) bis “Impress the empress, take a shot” (White Teeth Teens). Die Sängerin ist die Neuseeländerin Ella Yelich-O’Connor, unter dem Namen Lorde. Der Titel des Albums, “Pure Heroine”, verspricht Heldenhaftes, Außergewöhnliches und eventuell sogar eine neue reine Moral.
Doch die purity, wie auch heroism finden wir in den Texten kaum. Außer man definiert die Begriffe neu. Ist das Reine in den ständig wiederkehrenden Träumen zu finden – “Livin’ in the ruins of the palace within my dreams” (Team) – oder in der ignorant-sorgenfreien und verletzlichen Einstellung in Passagen wie: “We’re all the things that we do for fun” (Buzzcut Season), “Let ‘em talk cuz we’re dancing in this world alone” (A world alone) and “I’ll be the beauty queen in tears” (Tennis Court). Da sie dadurch keine klassische Heldenmoral vertreten kann und auch kaum eine physische Aktion gegen das Böse vollzieht, wählt die Sängerin eine andere Waffe: Sie kritisiert mal mehr und mal weniger subtil gesellschaftliche Missstände, wie Gewalt (Glory and Gore), Schönheitsideale (White Teeth Teens) oder Konsum und Kapitalismus. Letzterem widmet sie sich in ihrem bekanntesten Song Royals. Doch wankt die Kritik durch Zeilen wie “We don’t care, we’re driving Cadillacs in our dreams”. Also wenn ich den Text nicht falsch verstehe, will sie in diese kapitalistische “love affair” nicht involviert werden doch in ihrer Fantasie wäre sie gerne reich und mächtig und letztlich bleibt “Let me live that fantasy”. Diese irritierenden Widersprüche, wie auch in der Strophe
“We’re trainwreck waiting to happen | One day the blood will flow so bad | One day we’re all against the world” (A world alone) zeigen eine noch unentschlossene und passive Heldin, die eventuell sogar mehr mit sich selbst kämpft als für das Gute: “We gladiate but I guess we’re really fighting ourselves” (Glory and Gore)
Somit bleibt nur noch das letzte Urteil zu fällen: Sind Wankelmut, Passivität und Verträumtheit ein neues Heldenideal einer jungen Generation? Oder verspricht der Titel – wie bei so vielen sinnentleerten, kommerziellen Heroisierungen à la Fashion-Hero – etwas was er nicht halten kann und bleibt nur noch “we might be hollow, but we’re brave” (400 Lux)?