Von Flipper bis zum Lawinenspürhund: unsere tierischen Helden

flipperIch freue mich, euch unser neuestes Podcast-Thema vorzustellen! Am Samstag wird wieder aufgenommen und diesmal dreht sich alles um tierische Helden. Von Geschichten und Serien der Populärkultur bis zum tierischen Alltagsheld wird alles vertreten sein! Besonders spannend wird die Frage, warum nur bestimmte Tiere für uns Menschen ins Heldenbild passen. Welche Eigenschaften haben sie, was unterscheidet sie von menschlichen HeldInnen? Welche Tiere sind mit welchen besonderen Attributen (in unseren Köpfen) ausgestattet?

Ihr seht, es wird spannend – und wir können es kaum erwarten, los zu legen!

Bis dahin könnt ihr euch ja die eine oder andere Stunde mit einer Flipper-Folge versüßen:

They call him Flipper, Flipper, faster than lightning,
no-one you see is smarter than he,
and we know Flipper lives in a world full of wonder,
flying there under, under the sea!

TED – Von Helden und Antihelden

Was für eine wundervolle Reihe: Reading Between The Lines auf TED
Diese drei Videos zeigen sehr verständlich und unterhaltsam unterschiedliche Konzepte zum Thema Helden. Continue reading

Zeit für Helden – RTL II setzt auf Alltagshelden

Sehen wir mal davon ab, dass RTL II unser Motto geklaut hat ;-)

In der neuen Reality-Show “Zeit für Helden” stellen Schauspieler Situationen dar, in denen Menschen gefordert sind zu helfen. Die Betroffenen werden mit versteckter Kamera aufgenommen und danach zur Rede gestellt. Die Situationen sind meist alltäglich und provozieren keine außergewöhnlichen Heldentaten, so zum Beispiel eine Apothekenangestellte fürchtet sich vor einem Aids-Kranken. Continue reading

Heldenprofil: Arrow

become something else
(http://www.imdb.com/title/tt2193021/quotes?ref_=tt_ql_3″)

Das Heldenprofil:

Name: Arrow (Oliver Queen)
Superkraft: keine
Power-Gadget: Pfeil und Bogen
Status: Mensch
Moral: subjektiver Konservatismus
Funktion: Vigilant
Gegner: who have failed the city (die Starling City enttäuschten)
Vorlage DC Comics: Green Arrow

 
Die TV-Serie auf VOX erzählt die Geschichte von Oliver Queen, der als Millionärssohn auf einer Insel strandet und sich dort zur Kampfmaschine “schmiedet”, um die Vergehen seines Vaters zu sühnen. Wieder zurück tötet er als sein geheimes Alter Ego Korrupte und Kriminelle. In den bisher ausgestrahlten Episoden durchläuft er mehrere Heldentypen in ihrer Reinform:
Celebrity und Frauenheld:
Vor dem Schiffbruch und als offizielle Identität war/ist Oliver ein Millionärssohn und Promi. Er feiert exzessiv und erfreut sich an Models und Schönheiten. Seine einzige feste Freundin, Laurel, betrügt er mit ihrer eigenen Schwester, was ihn als einen moralisch verwerflichen, beziehungsunfähigen Macho charakterisiert.
Dieser Teil wird jedoch durch die dramatischen Ereignisse erschüttert und er erkennt auf einmal die große “Liebe” für sie. Dies hält ihn jedoch nicht davon ab noch andere Frauen zu beglücken: Shado, McKeena Hall, Helena Bertinelli und Isabel Rochev. Sein sexuell-aufreizendes Auftreten (enge Lederhose, meist oben ohne) zieht nicht nur die weiblichen Figuren in ihren Bann, sie soll wohl auch die ZuschauerInnen ansprechen. Und so sieht man mindestens 2 Mal in jeder Episode Oliver halbnackt und verschwitzt seine Muskeln präsentieren.
Überlebenskampf und militanter Actionheld:
Auf der Insel wird Oliver zu einer Mischung von Robinson Crusoe und Rambo. Die Parallelen zu beiden Heldenklassikern sind zahlreich.
Robinson Crusoe: Schiffbruch, “eingeborener” Freund, Piraten, der Kampf gegen die Inselbewohner (Militär/Kannibalen), …
Rambo: Folterszenen und Gefangenschaft, Verrat, Veteranenproblematik, Killermaschine, politische Intrigen, Liebe zur Verbündeten, …
Allen drei ist eines gemein: Um zu Überleben muss man töten.
In dieser Zeit verändert sich Oliver zum misstrauischen, gebrochenen, rachsüchtigen, gestählten Killer und Psychopathen, was er in der bisher ausgestrahlten Serie auch nur gering ablegt. Hier bekommt er auch seine neue Identität als er “the hood” und den Bogen seines Freundes übernimmt.
Vigilant
Dieses Doppelleben als Vigilant – Selbstjustiz verübender Killer – ermöglicht Oliver die Liste seines Vaters voller Korrupter “abzuarbeiten und gleichzeitig ein normales Leben als Sohn, Bruder, Freund oder Liebhaber zu führen. Dies erinnert an die vielen Comichelden. Doch im Gegensatz zu den Superhelden ist er ein Mann bar jeglicher übernatürlichen Kräfte. Da er außerhalb des Gesetzes die Bösen zur Strecke bringt, gerät er in Konflikt mit der Polizei, deren Vertrauen er jedoch nach und nach durch seine Taten gewinnt. Wie in der ersten Staffel oft erwähnt, muss er mit den berechtigten Vorwürfen gegenüber einen Vigilanten und Killers leben, z.B. dass er nicht alleine über die Schuld oder Strafe – meist sogar Todesstrafe – eines Menschen entscheiden darf. Auch wenn er anfangs seinen Opfern eine zweite Chance gibt, handelt er nach seinen eigens geschaffenen Moralsystem, welches oft von seiner Umgebung aber auch von ihm selbst in Frage gestellt wird. Besonders da er auch in seinem normalen Leben als Oliver, immer mehr den Eindruck eines traumatisierten, asozialen Psychopathen macht, dessen Menschenkenntnis, Einschätzungsvermögen und Realitätswahrnehmung oft getrübt sind.
Als sein Ruhm auch Nachahmungstäter hervor ruft, die er auch hinrichtet, gerät das Konzept der Selbstjustiz durch sich selbst ins Schwanken. Denn warum ist der eine Vigilant im Recht und der andere nicht?
Viele direkte und indirekte Verweise spielen auf den bekanntesten aller Vigilanten an, Robin Hood. Aus den zahlreichen Adaption der legendären Gestalt hat “The Hood” viel übernommen. Er straft die Reichen und gibt den Armen, jedenfalls in den ersten Folgen. Seine Waffe ist der Bogen und sein Outfit ist grün. Aber abgesehen von diesen offensichtlichen Parallelen, die auch im Comic erhalten sind. Ist er auch ein Patriot, der für eine “bessere” Heimat kämpft. Sein Gegner ist der Sheriff/Detective, der sich auch zwischen ihn und seine Liebe stellt. Doch mit der zweiten Staffel verschwinden die Anspielungen und die Ausprägung eines Sozialrevolutionärs.
Pazifistischer Moralist
Anstatt dessen tritt ein neuer Heldentypus – der von konservativer Moral getriebene Retter: Er versucht anstatt seine Gegner zu töten, sie der Polizei auszuliefern. Er beginnt sich um seine Familie, Freunde, die Opfer des Erdbebens und das Familienunternehmen zu kümmern. Vor allem als Oliver wird er fast zu einem karitativen Helden. Selbstlosigkeit und Aufopferung werden zu den Heldeneigenschaften mit höchster Wertigkeit. So reflektiert auch ein Voice Over des Specials zur ersten Staffel: „True Heroism is sacrifice. The real heroes are the ones that give up the most.“
So leidet Arrow – kurz, undramatisch und kaum überzeugend – am Tod seines Vaters und seines besten Freundes, der Zurückweisung von seiner Liebe, den Ereignissen der “hellish island”, der Fehlbarkeit seiner eigenen Familie und natürlich an den eigenen Fehlern seiner Vergangenheit.

Fazit:
So bleibt die Frage, die sich Oliver selbst oft nicht beantworten kann: Welcher Held ist er nun? Stephen Amell, Darsteller von Oliver Queen, äußert sich in einem Interview, dass die Figur mehrere Persönlichkeiten vereine: “There’s Queen the casual playboy; Queen the wounded hero; Queen the brooding Hamlet; Queen the lover; Queen the man of action, and so on.” (Strachan, Alex (October 11, 2012). “Stephen Amell brings Arrow to small screen.“) Dem stimme ich zu. Die Serie versucht durch Arrow und auch die anderen ProtagonistInnen viele – wenn nicht sogar alle – Heldentypen durchzuexerzieren. Dabei greift sie deren Klischees auf und problematisiert deren Schwächen durch die Handlung oder die Dialoge.
Oliver konstatiert selbst: “Ich bin gar kein Held.” Doch diese falsche Bescheidenheit konnte bisher nicht bestätigt werden. Im Gegenteil! Durch die unterschiedlichen Heldenfacetten und schnellen Wechsel von einem zum nächsten Stereotyp verliert er zwar an Fokus, Tiefe und teilweise psychologischer Authenzität, doch führt er als Seltenheit der Heldengeschichten alle Helden in einer Person zusammen und
becomes something else…

Women Are Heroes

2008 – 2010 bereiste der französische Fotograf und Street Art Künstler JR die Welt und porträtierte Frauen. Ihnen gemeinsam sind eine Existenz in den ärmsten und gefährlichsten Orten und ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft. Dieser Blick richtet sich nun gegen den Betrachter und wird zur Stadt dieser Frauen. Denn – nicht wie bei so vielen Positive-im-Elend-Fotografien – werden die Porträts nicht in einer Großstadt-Gallerie präsentiert, sondern direkt in die Umgebung der Protagonistinnen integriert. Als Bestandteil der Stadt – teils auch wasserresistentes Dach – übermitteln die Fotografien ihre Botschaft nicht an uns, sondern versuchen die Situation dieser Frauen dort zu beeinflussen.

In Monrovia, Liberia, when JR posted the pictures of local women, the reactions were immediate, raw, and sometimes brutal. People were asking lots of questions. Why faces? Why women? Did they do something special? Why here? What does it mean? Why is it in black and white, don’t they have colours in France? Are these women all dead? Those who understood shared it with the others.

Die Fragen sind jedoch nicht völlig unberechtigt. Denn was macht diese Frauen zu heroes? Die Antwort findet sich in den Interviews die Stärke im Erdulden von Vergewaltigung, Gewalt und Unterdrückung sowie die positive Lebenseinstellung macht sie zu außergewöhnlichen Heldinnen in ihrem alltäglichen Kampf ums Überleben. Durch die dramatische Vergrößerungen wurde den in ihrer patriachalen (und militarisierten) Gesellschaft kaum wahrgenommenen Frauen Aufmerksamkeit geschenkt – “in order to pay tribute to those who play an essential role in society”.

Sie sind Alltagsheldinnen, die einen für uns kaum vorstellbaren Alltag meistern.

Die Seite des Künstlers bietet einen tieferen Blick in das Projekt mit Videos der Interviews und vielen Bildern der einzelnen Orte.
Am 11. 12. 2013 um 2:05 wiederholt ARTE die Dokumentation zu diesem Projekt

Eine klassische Alltagsheldengeschichte

Als kleine Vorbereitung für die heutige Session schicken wir hier schonmal einen Beitrag von  WDR5 aus der Reihe “Neugier genügt” ins Rennen. Prof. Ralf von den Hoff über Alltagshelden und wie Nico Knebel ein solcher wurde.

WDR 5, “Neugier genügt” vom 08.01.2013

Traumberuf: HELD

Passend zur nächsten Episode: das Portrait eines Helden, der Parasiten-Drachen tötet, eine zickige Prinzessin abkriegte und als Nebenstandbein Geschichten vom Maulwurf mit den kleinen Händen schreibt. Köstlich komisch.

Michael Ramm: Traumberuf: HELD – Von der Freude ein Held zu sein