Heldenprofil: Beatrice Prior

Das Heldenprofil:

Name: Beatrice Prior (Tris)
Superkraft: reine Gene
Power-Gadget: keines
Status: Mensch
Moral: christlich
Funktion: Rebellin > Märtyrerin
Gegner: Jeanine Matthews und Bureau of Genetic Welfare
Bücher: Veronica Roth: Divergent, Insurgent & Allegiant

Spoiler Alarm!

Von der Außenseiterin zur Elite in einer Anti-Utopie
Eine Gesellschaft, die Menschen nach ihren Charakterstärken in 5 Fraktionen (intelligent - Erudite, furchtlos – Dauntless, selbstlos – Abnegation, friedfertig – Amity oder ehrlich – Candor) kategorisiert, enthält ja schon viel (anti)utopisches Potential. Da Tris sich in keine der Eigenschaften eindeutig einordnen lässt, wird sie aus der scheinbaren Utopie herausgerissen. Sie wird zur Divergent und das ist gefährlich: Zum einen kann sie sich nicht so einfach an ihre gewählte Fraktion, die Dauntless, anpassen, und fehlende Anpassung kann dazu führen, dass man während der Initiierung zur Fraktionslosen, den verwahrlosten Ausgestoßenen, degradiert wird. Zum anderen lässt Jeanine Matthew, Leiterin der Erudite, Divergents töten, da diese eine Bedrohung für die gesellschaftliche Stabilität darstellen.

Spannend wird es vor allem, wenn sie die abgeschottete Heimatstadt verlässt und sich die Situation im 3. Band völlig umdreht. Denn sie erfährt, dass Divergents genetisch “geheilt” sind. Die anderen jedoch sind genetisch defekt und können sich daher besser in die eigens kreierten Fraktionen integrieren. Daher gehört sie in außerhalb der Stadt einer Elite an, die sich nach langer Zeit von den genetischen Experimenten an der gesamten Menschheit wieder zu Genetic Pure entwickelt haben.

Als ich herausfand, dass ich eine Divergent bin, dachte ich, es wäre eine geheime Kraft, die keiner sonst besitzt. Etwas, dass mich anders, besser, stärker macht. Jetzt, nach dem Vergleichen meiner DNA mit der von Tobias am Computermonitor, erkenne ich, dass “Divergent” nicht soviel bedeutet, wie ich dachte. Es ist nur ein Wort für eine bestimmt Sequenz in meiner DNA

When I found out I was Divergent, I thought of it as a secret power that no one else possessed, something that made me different, better, stronger. Now, after comparing my DNA to Tobias’s on a computer screen, I realize that “Divergent” doesn’t mean as much as I thought it did. It’s just a word for a particular sequence in my DNA
(Allegiant, S. 179)

Genetische Überlegenheit als Superkraft

Doch innerhalb der Stadt ist es tatsächlich eine Superkraft, die Tris, wie auch einige ihrer Freunde, gegen die Kontrolle und Manipulationen der Autoritäten immunisiert. Besonders bei der Angriffssimulation, als Jeanine Matthews die Dauntless zu ferngesteuerten Killermaschinen programmiert, ermöglicht diese Resistenz Tris erst das Stoppen der halluzinierenden, willenlosen Armee.

Ein weiterer Vorteil gegenüber den genetisch Defekten – auch wenn die oberflächliche Moral von der Geschichte ist, dass Gene nicht wichtig seien – sind ihre vielseitigen Kompetenzen. Sie ist klug, selbstlos, ehrgeizig, emphatisch und kann frei zwischen Ehrlichkeit und Lüge wählen. Die Fraktionsangehörigen jedoch sind genetisch, aber vor allem auch durch ihre Erziehung, von einer “Tugend” determiniert. So ist zum Beispiel eine Erudite zwar überaus intelligent, aber sie handelt bloß nach Logik und neigt zu Selbstüberschätzung.

Rebellion gegen soziale Kategorien und genetische Forschung
Die rebellischen Gruppierungen, deren Tris’ angehört, sind zahlreich und stets stürzt sie absolutäre Autoritäten, die aus utopischen Motiven Menschen in “glücklicher” Unwissenheit und klaren Strukturen belassen und ohne Skrupel system-bedrohende Menschen töten oder in Armut verkommen lassen.

Im Verlauf der drei Bände entwickelt sie sich von der Action-Heldinnen zur pazifistischen Märtyrerin (im christlichen Sinne):

Kann ich Vergebung finden, für alles was ich getan habe, um hierher zu gelangen?
Ich möchte es.
Ich kann.
Ich glaube es.

Can I be forgiven for all I’ve done to get here?
I want to be.
I can.
I believe it.
(Allegiant, S. 476)

Persönliche Konflikte als moralische Probe:

Zu einer Young Adult Trilogie gehören natürlich auch eine Liebesgeschichte, Familienzwiste und Freundschaftskonflikte. Auch wenn letztlich alle Unstimmigkeiten geklärt werden und alle versöhnt sind, zeigen sie die moralischen Facetten der Heldin. Denn für das Wohl der Menschheit trifft sich etliche Entscheidungen, die ihre Mitmenschen verletzen. Sie belügt, hintergeht, verurteilt, schlägt und tötet die ihr Nahestehenden.

Sie tut dies nicht aus Bosheit und die Motive ergeben sich meist aus den Ereignissen und ihrer “unfehlbaren” Menschenkenntnis. Einige der äußerst-emotionalen Konflikte sind jedoch vermeidbar, und sie hätte sich auch ethisch “korrekter” entscheiden können –  auch wenn dies natürlich die Dramatik und großen Emotionen der Bücher und des Films zerstören würde.

Die Gewissensbisse, mit denen auch ihr Co-Held stets kämpft, treiben ihre Heldenentwicklung an und verfolgen sie bis zum letzten Moment:

Es gibt so viele Arten, tapfer in dieser Welt zu sein. Manchmal Tapferkeit bedeutet, dein Leben für etwas Größeres als du selbst, oder für jemand anderen, hinzugeben. Manchmal bedarf es, alles, was du je gekannt hast, und jeden, den du je geliebt hast, für etwas Größeres aufzugeben.

There are so many ways to be brave in this world. Sometimes bravery involves laying down your life for something bigger than yourself, or for someone else. Sometimes it involves giving up everything you have ever known, or everyone you have ever loved, for the sake of something greater.
(Allegiant, S. 509)

Fazit:

Tris entwickelt sich vom unentschlossenen Teenager zur selbstlosen Heldin ganz im Sinne des Monomythos, der Heldenreise: Sie verlässt ihr gewohntes Umfeld und die damit verbundenen, elterlichen Werte. Sie besiegt ihre Gegnerin mittels der neu gewonnenen Dauntless Fähigkeiten und ihrer “Superkraft”. Doch gleichzeitig stürzt sie in eine persönliche Krise durch die negativen Konsequenzen der Dauntless Gewalt, wie dem symbolträchtigen Tod ihrer Eltern oder das Töten ihres Freundes. Zuletzt erkennt sie ihre Identität in der Selbstlosigkeit und den – wenn auch nicht ausdrücklich genannt – christlichen Werten der Eltern, und geht bis zum äußersten Akt der Aufopferung. (Dazu eine Stellungnahme der Autorin)

Zusammengefasst, eine christliche Heldin par excellence auf einer klassischen Heldenreise rebelliert erfolgreich gegen eine soziale und genetische Anti-Utopie. Das ist ja mal eine intensive Kombination von populären Themen und bewährten Erzählmustern aus der westlichen Kulturen.

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