Kriegerprinzessinnen: Mulan

Auch wenn sie eigentlich keine Prinzessin ist, ist sie als Heldin der chinesischen Legenden bekannter als ihre Zeitgenossinnen, Regenten oder Krieger: Hua Mulan. Die Grunderzählung kennen wir von Fantaghiró oder anderen Kriegerprinzessinnen: Mädchen verkleidet sich als Krieger an ihres kranken Vaters statt, behauptet sich in der Männerdomäne und rettet das Königreich.

mulan1Die ursprüngliche Ballade aus dem 6. Jahrhundert lässt Mulan nach 12 Jahren Krieg und großen Anerkennungen, konfliktlos wieder in ihre traditionelles Rollenbild zurückkehren. Schade, denn dadurch wurde das für diese frühe Zeit Gender-revolutionäre Potential gemildert und die große Moral und Aufopferung der Protagonistin betont. Hier fällt jedoch ein großer Unterschied zur toskanischen Prinzessin auf: Während Fantaghiró von allen Seiten abgesprochen wird ein Krieger zu sein und sie sich gegen weibliche Klischés behaupten muss, wechselt Mulan in der Ballade schnell zwischen den Rollen – Haare ab und Rüstung an.

In der Romanadaption des 17. Jahrhunderts bekommt Mulan eine blaublütige Kriegerprinzessin an ihre Seite gestellt: Xianniang erkennt, dass Mulan ebenfalls eine Kriegerin ist, und sie werden Blutsschwester – was Mulan ja fast zu einer Prinzessin macht und sie somit doch in meiner Serie bleiben darf. Das Ende ist jedoch ausnahmsweise tragisch: Denn bei ihrer Rückkehr erfährt sie, dass ihr Vater verstorben und ihre Mutter wieder verheiratet ist. The Khan befiehlt ihr seine Konkubine zu werden, doch diesem Schicksal entrinnend begeht sie Selbstmord.

tumblr_mh0esguPXn1rcnkw9o7_500In westlichen Kulturkreisen gewann die chinesische Legende vor allem durch die zweiteilige Disney Version Popularität. Im ersten Teil treffen wir auf einmal eine Mulan, die nun doch ihre Männlichkeit behaupten muss. Ob dies ein westliches Problem ist, sei dahin gestellt… Die traditionellen Werte am Ende bleiben erhalten und im zweiten Teil heiratet sie auch ihren General. Einen besonders spannender Artikel zur Gender-Thematik habe ich auf The Body Pacifist gefunden. Die Autorin schlussfolgert, dass sowohl Weiblichkeit wie auch Männlichkeit parodiert und auf Klischees reduziert werden. Das eigentliche hybride Spiel zwischen den Geschlechtern wird jedoch durch die Bestätigung der starren Rollenbilder wieder entkräftet.
Kein Disney-Film ohne Prinzessin, doch diese Prinzessinnen sind fern ab von Kriegsrinnen. Die leidenden, pflichtbewussten Geschöpfe wollen letztlich gar keine Prinzessinnen sein – nach dem girls just wanna have fun Prinzip –, sondern nur ihre geliebten Männer. Sogar Mulan steht kurz vor der Prinzessinnenwürde, doch bewahrt sie der klein Sidekick Drache davor, um am Ende die glückliche Ehefrau zu werden.

Die Serie zu Kriegerprinzessinnen geht weiter: Fantaghiró, Merida, Daenerys, Xena, BrünhildLeia, Athena, Sailor Moon, Zelda, Taundril, Mononoke, Fiona und Wonder Woman!

Fotos aus:
Mulan: Rise of a Warrior.  2009
Mulan. Walt Disney Pictures, 1998.

Quellen:
Shiamin Kwa: Mulan: Five Versions of a Classic Chinese Legend, with Related Texts. 2010.
Allison Epstein: Disney Deconstructed – A Feminist Watches Mulan. 2013. https://thebodypacifist.wordpress.com/2013/08/09/disney-deconstructed-a-feminist-watches-mulan/

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