Kriegerprinzessinnen: Daenerys

Daenerys Stormborn of the House Targaryen, the First of Her Name, the Unburnt, Queen of Meereen, Queen of the Andals and the Rhoynar and the First Men, Khaleesi of the Great Grass Sea, Breaker of Chains, and Mother of Dragons.

Drogo-and-Dany-daenerys-and-drogo-31147182-1280-720Das ist mal ein Name, mit dem sich die vorherigen Kriegerprinzessinnen nicht mal ansatzweise messen können. Wie ein junges Mädchen dazu kam, ist die Heldengeschichte einer klassischen Opfer-Prinzessin, die zur mächtigen Herrscherin wurde: Am Anfang von Song of Ice and Fire oder der Serien-Adaption Game of Thrones wird das schüchterne (im Buch 13 jährige) Mädchen Opfer der patriachalen Gier, Macht und Lust. Erst als sie ihre Reize und Sexualität einsetzt und sich den teils barbarischen Sitten des Stammes ihres Mannes, dem Dothraki-Fürsten, anpasst, gewinnt sie Selbstvertrauen, Anerkennung und Liebe. Doch ihr Mitleid mit Kriegsgefangenen bringt ihrem kurzem Glück ein tragisches Ende, nach welchem ihr nur noch wenige Verbündete und drei Drachenbabies bleiben. Dies ist jedoch erst der Anfang ihrer Heldenreise, auf der sie Städte erobert, Sklaven befreit und die Treue etlicher großer Krieger und die Liebe Tausender gewinnt.

Queen-with-an-Army-Game-of-ThronesDaenerys ist jedoch keine klassische Kriegerprinzessin, denn auch wenn man ihre königliche Abstammung nicht abstreiten kann, ist sie keine Kriegerin. Sie ist viel mehr Strategin. Die Schlachten und Eroberungen führen ihre Anbeter, Truppen und Drachen aus. Dies heißt jedoch nicht, dass es ihr an Mut oder Kraft mangelt. Doch ist sie weder kampferfahren, noch muss sie sich wie die Kriegerprinzessinnen zuvor als Mann ausgeben. Gerade ihre weiblichen Reize dienen ihr auf ihrem Weg, um die vielen Berater und Getreuen beiden Geschlechts an sich zu binden. Sie behauptet sich gegenüber den patriachalen Strukturen eben gerade durch ihre Weiblichkeit, ihre Klugheit, ihre Gutmütigkeit, aber auch durch ihre kaltblütige Entschlossenheit. Ihr gutes Herz gilt vor allem den Schwachen und Sklaven, also Opfern der männlichen Macht wie sie es selbst gewesen war.

Gegenüber den (in der Serie und den Büchern ausschließlich männlichen) Meistern zeigt sie jedoch kaum Gnade und vergilt “Injustice with Justice”. Diese alt-testamentarisch anmutende “Aug um Aug”-Einstellung und auch ihr Umfeld machen den Vergleich mit zentralen Figuren archaischer Zeiten unabdingbar: Sex und Tod sind auch die Kennzeichen von Kali, Ištar und Kleopatra. Gleichzeitig verkörpert sie auch die weiblichen Archetypen des Mädchens, der Ehefrau, Mutter, Geliebten / Hure (wenn man ihre Ehe als den Verkauf ihrer Jungfernschaft ansieht) und Herrscherin. Durch die Übernahme der altertümlichen und barbarischen Gebräuche gewann sie ihre Freiheit, doch erst durch ihre eigenen Werte und den Strategien des Westens /  der Westerosi gewann sie ihre Größe und Macht und konnte die Barbarei überwinden. Auf unsere Geschichte umgelegt, wäre Daenerys die Verbindung zwischen Altertum und Mittelalter.

Zuletzt kämpft sie jedoch vor allem mit den Konsequenzen ihres Handelns: Denn anders als die Erzählungen der vorhergehenden Kriegerprinzessinnen ist ihre auch die Geschichte einer Königin. Daher kommen nach der Krönung und Befreiung der Sklaven noch kein Happy End, sondern erst die eigentlichen, großen Herausforderungen: Was sollen Menschen, die ihr ganzes Leben Besitz waren und teilweise auch glücklich lebten, nun mit ihrer Freiheit machen? Welches System kann die abgeschaffenen Strukturen ersetzen und den Frieden wahren?

Dass ihre mit Blut gewonnene Position und das Wohle ihrer Untertanen mit ihrer eigenen Freiheit, Wildheit und Kraft bezahlt werden muss, wird am Ende der 4. Staffel mit dem Einkerkern zweier Drachen und dem Verlassen Werden von ihrem stärksten Drachen versinnbildlicht. Welche Opfer ihre Herrschaft noch fordern wird und als welche Art von Herrscherin sie sich definieren wird, wird in der gerade gestarteten 5. Staffel oder im zuletzt veröffentlichten Band noch erzählt und möchte ich nicht spoilern.

Zusammenfassend ist Daenerys ihren Konkurrenten innerhalb George R. R. Martin’s Welt in Vielem überlegen, wie Varys so trefflich formulierte:

stronger than Tommen, gentler than Stannis
a monarch that could intimidate the high lords,
and inspire the people

a ruler loved by millions
with a powerful army
and the right family name

Doch auch den bisher vorgestellten Kriegerprinzessinnen hat sie einiges voraus – und ich meine nicht ihre Drachen –, sie muss nicht ihre Identität verbergen wie Mulan oder Fantaghiró oder Kompromisse eingehen wie Merida. Ihr Heldenlied des Feuers erzählt die Entwicklung einer Krieg führenden Königin, die alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel einsetzt um ihrem Herz und ihrem Gewissen zu folgen, die Konsequenzen ihrer Taten trägt und versucht neue Strukturen aus archaischen Gräueln zu finden.

Die Serie zu über die Kriegerprinzessinnen geht weiter: Fantaghiró, Mulan, MeridaXena, Brünhild, Leia, Athena, Sailor Moon, Zelda, Taundril, Mononoke, Fiona und Wonder Woman!

Quellen:
George RR. Martin: Song of Ice and Fire. Bantam Books / Voyager Books 1996 – 2011.
David Benioff / D. B. Weiss: Game of Thrones. HBO 2011 – heute.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>